Julia Hoch

Der Wert von Schätzen in Regalen und experimentellen Streuselkuchen

Der Eingang ist beidseitig durch ein
Alarmsystem eingefasst. Wenn man dieses Portal durchläuft, sind Wert und Wichtigkeit der im Gebäude gesammelten Werke zu spüren. Die Nase vernimmt einen ganz typischen Geruch. In allen Himmelsrichtungen werden hier Schätze gelagert, teilweise ausgestellt und präsentiert. Dezidiert sortiert. Mit einem der bereitgestellten Körbchen kann man nun geradeaus durch die Regalgänge wandern, die Treppe hinauf- oder hinabsteigen. Stundenlang flanieren. In der Stille stöbern. Den persönlichen Neigungen Futter suchen. Die Beute wird im Körbchen gestapelt, nochmal durchgesehen, vielleicht noch ein zweites Körbchen für die andere Hand geholt. Hier findet man die Großen – die Genies alter Zeiten.

Hier findet man etwas für die Kleinen – die Inspirateure zukünftiger Welten. Konventionelles und Experimentelles. Es gibt Streuselkuchen und Teckel, Tennis und Serviettentechnik, Architektenhäuser und Mordgeschichten, Mondgedichte und Anatomie. Nirgendwo sonst findet man eine vergleichbare Vielfalt an unterschiedlichen Ideen, Meinungen und Gedanken auf so geringem Raum verdichtet. Hinter den Buchrücken, unter den Buchdeckeln befinden sich die größten Schätze der Menschheit: In Sprache verpacktes Wissen, Geschichten und Gefühle.

Im Gegensatz zu Juwelen, Goldbarren oder Schmuckstücken dürfen eben jene Schätze von jedermann mit Hilfe einer kleinen Karte ausgeliehen, durch die Pforte hinausgeführt und nach Hause gebracht werden. Wochenlang blättern, stöbern, schmökern. Und hat man die Zeit doch zu lange mit dem Erklimmen der Papierberge verbracht und muss Gebühren nachzahlen, dann kann man guten Gewissens sagen, dass sie an der richtigen Stelle landen. An einem Ort des Erhaltens und Ausbauens eines papiernen, gesellschaftlichen Gedächtnisses.

In den 9.750 Stadtbüchereien, Landesbibliotheken und Universitätsbibliotheken ist eine Ausleihe für die meisten Privatpersonen möglich. Die Gebühren sind dabei zumeist sehr gering. Das Angebot der Stadtbüchereien umfasst oft DVDs, CDs, Computerspiele, Hörspiele, Gesellschaftsspiele und Zeitschriften. Bei 374 Millionen Medien sollte für jeden etwas zu finden sein.

Einige Städte haben die Wichtigkeit der Institution Stadtbücherei bereits begriffen und suchen bei Um- oder Neubau nach modernen Konzepten, um mehr und vor allem auch jüngere Menschen anzusprechen. Da erinnert das Interieur an bekannte Einrichtungshäuser oder Großraumbüros im Silicon Valley. Bibliotheken müssen ein Ort sein, an dem nicht nur ein Medienkonglomerat zur Verfügung steht, sondern ebenso ein gemeinsames Verwenden, ein gemeinsamer Austausch über Literatur, Film, Hörspiel und Musik möglich sein soll. Ein Treffpunkt zur Auslotung kultureller Perspektiven. Im Jahr 2016 fanden 384.000 Veranstaltungen statt und 10,3 Millionen Menschen benutzten die Angebote der Bibliotheken aktiv. Da ist noch Luft nach oben.
Besucht eure Bibliothek, so klein sie auch sei!

Quelle: https://bibliotheksportal.de/informationen/daten-fakten/daten-2016/